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Bibliomulas in Venezuela

Bibliothek auf vier Hufen

Bisweilen gelten Maultiere ja als störrisch und eigenwillig. Wenn sie erstmal stehen, hilft kein Ziehen und kein Schieben mehr. Soweit zumindest die Legende. Der haselnussbraune Chiquito und der graumelierte Cenizo scheinen da aber eine angenehme Ausnahme zu bilden. Seelenruhig ziehen sie ihre Bahnen über die steilen und staubigen Pfade in den venezolanischen Anden. Auf ihrem Rücken tragen die Maultiere nicht nur zwei Mitarbeiter der Universität Valle del Momboy, sondern auch einen literarischen Schatz: Bücher.

Dort, wo kein Auto und keine Bahn hinkommt, wo es keinen Doktor und keinen Bürgermeister gibt, werden die Maultiere schon sehnsüchtig erwartet. Die Kinder von Calembe umringen Junior Javier Vasquez, als er die grünen Satteltaschen von Cenizos Rücken herunternimmt. In Windeseile plündern sie die provisorische Bibliothek und beginnen vergnügt zu lesen.

Die Idee, schwer zugängliche Regionen im Bundesstaat Trujillo mit Literatur zu versorgen, geht auf Roberth Ramirez zurück. Der Transport von Büchern in Wanderrucksäcken stellte kein Problem dar. Wie aber sollten ganze Schulklassen mit einem wechselnden Literaturangebot versorgt werden? Schnell entwickelte er eine transportable Bibliothek in Form von Satteltaschen, die man mit Maultieren in die entlegenen Dörfer im Valle von Momboy transportieren konnte. Nachdem er seine Vorgesetzten überzeugt und Sponsoren für den Ankauf von Maultieren gefunden hatte, gehören die Bibliomulas inzwischen zu den Vorzeigeprojekten der Universität.

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